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„Du musst dein eigenes DING machen!“

Seit 2017 fährt Peter Sagan fürs Team BORA – hansgrohe. Mit großem Erfolg. Für die neue Saison hat der 30-jährige Radsportstar ganz besondere Pläne. Ein Gespräch über mentale Stärke und sein Kochtalent.

Du wirst oft „Rockstar des Radsports“ genannt. Wie gehst du damit um?
Nun gut, ich bin kein Musiker, sondern nur ein Radfahrer. Und ich fühle mich nicht als Rockstar. Aber der Titel ist ja auch eine Wertschätzung meiner Leistungen, deshalb ist er für mich völlig okay. Grundsätzlich will ich jedoch einfach nur Rennen fahren und nach Möglichkeit gewinnen. Dabei hilft mir sicher, dass ich abseits des Radfahrens nicht alles so bitterernst nehme. Gleichzeitig muss ich wohl etwas disziplinierter leben als ein Rockstar.

 

Beeindruckend explosiv ist deine Antrittskraft bei den Spurts. Worin siehst du deine weiteren Stärken?
Ich würde sagen, ich kann mich im richtigen Moment gut konzentrieren. Und ich liebe meinen Job. Die meisten Leute sitzen während ihrer Arbeit im Büro und können nur davor oder danach Sport machen. Ich dagegen kann meinen Lieblingssport während der Arbeitszeit machen. Gibt es was Schöneres?

 

Mentale Stärke ist heute auch beim Radsport von entscheidender Bedeutung. Hast du einen Mental-Coach?
Mein bester Mental-Coach bin ich selbst, denn niemand versteht mich besser. Es ist im Prinzip ganz einfach: Physis und Psyche müssen im Gleichgewicht sein. Wenn ich mich körperlich nicht so gut fühle, haut es im Kopf auch nicht hin. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass letztlich über Sieg oder Niederlage vor allem der Kopf entscheidet.

 

Wie bereitest du dich mental auf ein Rennen vor?
Als ich noch jung war, war ich oft sehr nervös vor Rennen. Dann gewann ich die ersten, aber das machte mich noch aufgeregter. Also beschloss ich, meine Einstellung zu ändern. Um mental stärker zu werden, definierte ich damals, was für mich wirklich wichtig ist im Leben. Dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht und sie gesund sind, zum Beispiel. Denn: Ob ich ein Rennen gewinne oder verliere, am Abend bin ich immer noch dieselbe Person. Man kann viele Rennen gewinnen und trotzdem unglücklich sein, es ist alles eine Frage der Einstellung. Leider sind viele Menschen nicht glücklich mit dem, was sie haben.

 

Eine wichtige Figur in deinem Leben ist auch dein Vater Lubomir.
Ja, er kommt oft zu meinen Rennen. Ich glaube, ich verbringe mehr Zeit mit ihm als mit allen anderen. Und es war sehr bewegend zu sehen, wie er sich über meinen Sieg auf der fünften Etappe der Tour de France 2019 gefreut hat. Es wurde ein Video davon gepostet. In dem ist zu sehen, dass mein Vater noch mehr ausgeflippt ist als ich.

 

Die WorldTour-Saison dauert von Mitte Januar bis Ende Oktober. Wie schaffst du es, dich in den kurzen Pausen zu regenerieren?
Meine Tage sind ziemlich ausgelastet, ich reise in der Saison von Rennen zu Rennen. Da bleibt nicht viel Zeit, manchmal habe ich am Tag nur fünf Minuten für mich selbst. Aber in diesen fünf Minuten schalte ich komplett ab. Mit Abstand am wichtigsten für mich ist ausreichender Schlaf.Außerdem sind für mich als Ausgleich Dinge abseits des Sports enorm wichtig, allen voran die Momente mit meinem Sohn Marlon (im Oktober 2017 geboren). Ich bin unendlich glücklich, wenn ich ihn in meinen Armen halte.

 

Machst du auch Ausgleichssport?
Ich bin früher Snowboard gefahren und hab viel Skilanglauf und Ski alpin gemacht, das geht heute nur außerhalb der Rennsaison. Ich versuche aber, immer mal wieder aufs Mountainbike zu steigen, weil es einfach Spaß macht und auch das Gleichgewicht am Rad verbessert. Mountainbiken ist für viele junge Sportler der erste Schritt in den Radsport, auch ich startete damit.

„Ob ich ein Rennen gewinne oder verliere – am Abend bin ich immer noch dieselbe Person.“
Peter Sagan
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Du lebst in Monaco …
Ja, wo Rockstarlegenden wie Ringo Starr ums Eck wohnen. Auch Lewis Hamilton begegnest du hier beim Einkaufen. Für mich am wichtigsten ist aber, dass ich ringsum auch in den Wintermonaten ideale Trainingsbedingungen habe. Und der nahe Flughafen in Nizza bietet beste Flugverbindungen.

 

Auf wie viele Radkilometer kommst du im Jahr?
Das ist unterschiedlich, aber über 30.000 Kilometer pro Jahr sind es sicher.

 

Du bist auch als guter Koch bekannt, kochst manchmal fürs ganze Team.
Ja, ich hab die Jungs dafür bezahlt, dass sie mich loben (lacht). Im Ernst, Kochen ist mein großes Hobby. Es hilft mir, mich zu entspannen. Ich bin wohl ziemlich gut in Pasta-Gerichten. Mein Interesse fürs Kochen liegt auch daran, dass eine gesunde und zielgerichtete Ernährung für einen Spitzensportler von entscheidender Bedeutung ist. Allerdings bin ich kein großer Freund des Einkaufens der Zutaten.

 

Was ist der Grundgedanke des Kochbuchs, das du gemeinsam mit BORA realisiert hast? 
Für meine BORA 10 | 10 Edition habe ich mich für 10 Rezepte entschieden, deren Vor- und Zubereitung jeweils nicht länger als 10 Minuten dauert. Die Gerichte sind ideal für Sportler, weil sie leicht, proteinreich und somit ideal für die Regeneration sind.

 

Welche Gemeinsamkeiten verbinden dich mit dem Teamsponsor BORA?
Dass du, um der Perfektion nahezukommen und die Nummer eins zu sein, dich ständig weiterentwickeln und dein eigenes Ding machen musst. Mich fasziniert auch der Mut, mit dem Firmengründer Willi Bruckbauer eine technische Lösung völlig neu gedacht und konzipiert hat. Er hat damit den Dunstabzug für Küchen so flexibel gemacht, dass selbst in unserem Kitchen-Teamtruck ein BORA System eingebaut ist.

 

Wo siehst du dich sportlich in fünf Jahren?
Ich würde am liebsten den Rest meiner Karriere fürs Team BORA – hansgrohe fahren. Die Mannschaft ist einfach ideal für mich, die Stimmung bestens, und es gibt keinen Grund, über einen Wechsel auch nur eine Sekunde lang nachzudenken.

 

Und deine Ziele für die Saison 2020?
Ich werde zum ersten Mal beim Giro d‘Italia antreten. Italien hat seit jeher einen besonderen Platz in meinem Herzen, denn hier habe ich 2008 meinen ersten WM-Titel geholt. Ich denke, jeder Profi träumt davon, einmal bei der „Corsa Rosa“ dabei zu sein. Und für mich ist es in diesem Jahr endlich so weit. Besonders freue ich mich auf die ersten Etappen in Ungarn, da meine Heimat, die Slowakei, nicht weit entfernt ist und so sicherlich viele meiner Fans vor Ort sein werden. Darüber hinaus würde auch ein weiteres grünes Trikot bei der Tour de France ganz gut in meine Sammlung passen.

 

Was ist dein Lebensmotto?
Folge deinem Traum, glaub an dich und sei dankbar für das, was du hast.

Text: MARTIN FRAAS

Foto: SAM BARKER & BETTINIPHOTO