La Vuelta 2021

La Vuelta 2021

August 2021

„La Vuelta“ in Spanien ist traditionell die dritte der drei großen Rundfahrten, so auch in diesem Jahr. Am 14. August startet die 76. Auflage der Spanien-Rundfahrt in Burgos, Hauptstadt der gleichnamigen radsportaffinen Provinz in Kastilien, wo nur eine gute Woche vorher die Vuelta a Burgos stattfindet. Insgesamt 3.336,1 Kilometer aufgeteilt auf 21 Etappen und zwei Ruhetage müssen auf dem Pilgerweg der besonderen Art von Burgos bis nach Santiago de Compostela bewältigt werden. Auch ohne in die Pyrenäen zu kommen, macht die Vuelta in diesem Jahr ihrem Ruf als wohl bergigste Grand Tour alle Ehre. Zwar gibt es acht Flachetappen, davon enden jedoch zwei mit einer kürzeren Bergankunft. Was bleibt sind vier hügelige Etappen und sieben Bergetappen, von denen ganze sechs als Bergankunft enden und das Ziel der siebten auch nur 5 Kilometer und wenige Höhenmeter unterhalb des letzten Berges liegt. Wer am Ende ganz oben stehen will, der muss aber auch Zeitfahren können, denn die beiden Zeitfahren am ersten und letzten Tag umfassen insgesamt knapp 42 Kilometer im Kampf gegen die Uhr.

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BORA – hansgrohe / Bettiniphoto

Den Auftakt macht ein 8 Kilometer langes Einzelzeitfahren mit Ziel vor der Kathedrale von Burgos. In einer abwechslungsreichen ersten Woche steht schon am dritten Tag die erste Bergankunft auf dem Programm. Vor dem ersten Ruhetag werden Etappe 7 und schließlich Etappe 9 mit dem höchsten Punkt der Rundfahrt, dem Alto Collado Venta Luisa (1967m) und einer Bergankunft auf dem Alto de Velefique in Andalusien (höchste Kategorie) die Favoriten fordern. In der zweiten Woche orientiert man sich geografisch nun wieder vom Süden in die Mitte der iberischen Halbinsel. Hier bilden die Etappen 14 und 15 einen wahren Kletter-Doppelpack, bevor es in den zweiten Ruhetag geht. Dieser wird von Nöten sein, denn weitere Highlights in puncto Berge kommen natürlich noch. Die 17. Etappe besteht aus insgesamt 4 Anstiegen und endet mit der malerischen und nicht weniger prestigeträchtigen Bergankunft an den Lagos de Covadonga, immerhin zum 22. Mal seit 1983 Bestandteil der Vuelta. Gleich am nächsten Tag folgt eine weitere potenzielle Königsetappe mit ebenfalls 4 Anstiegen und dem Ziel auf dem steilen Altu d’El Gamoniteiru. Spätestens hier wird eine Vorentscheidung fallen. Nach zwei weiteren Etappen mit etwas kürzeren Anstiegen fällt die finale Entscheidung am letzten Tag beim Einzelzeitfahren von Padrón in die Pilgerstadt Santiago de Compostela.

Die Vuelta-Geschichte begann vor 76 Jahren und ist geprägt von Radsportleidenschaft und spanischer Kultur. Inspiriert durch die großen Erfolge der Tour de France und des Giro d’Italia ruft Juan Pujol, Inhaber einer spanischen Zeitung, im Jahre 1935 die Vuelta ins Leben. Und so nahmen 50 Fahrer erstmals die Strecke von 3.425 km in nur 14 Tagen in Angriff. Zehn Etappen davon gingen über 250 km, und wenn man sich historische Räder aus der Zeit anschaut, scheint das fast unmöglich. Mit einigen Unterbrechungen wurde die Vuelta ab 1955 jährlich ausgetragen. Um sich neben den anderen zwei großen Rundfahrten zu etablieren und das Rennen abwechslungsreich und interessant zu gestalten, wurden immer wieder neue Ideen ausprobiert. Es galt, dem Ruf einer „Grand Tour“ gerecht zu werden. Traditionsgemäß war das Profil immer eher wellig und besonders für gute Kletterer geeignet. Im Jahr 1995 veränderte der Weltverband UCI den Radsportkalender und verschob die Spanien-Rundfahrt von April auf August.

Etwas anders als bei der Tour de France haben die Sondertrikots hin und wieder die Farben gewechselt. Jetzt fährt der Gesamtführende im roten „Maillot Rojo“, der Punktbeste im grünen „Maillot Verde“ und der beste Kletterer im blau gepunkteten „Maillot Lunares“.

Das BORA - hansgrohe Line-up

 

29 Radprofis aus 10 verschiedenen Ländern, ein Team – denn Teamwork makes the dream work im Radsport. Auch wenn immer nur einer als erster über die Ziellinie fährt, ist ein Sieg ein Teamerfolg, denn ohne die Helfer, die Windschatten bieten, Trinkflaschen holen gehen, die Konkurrenz in Schach halten und den Sprintern den Sprint anfahren, ist im Radsport kein Sieg zu erkämpfen.

Teamwork wird im BORA - hansgrohe Team großgeschrieben, so ist man stetig gewachsen, besser und erfolgreicher geworden. 2010 noch unter dem Namen Team NetApp in der 3. Liga gestartet, wurde das Team stetig weiterentwickelt, bis es in 2017 in die erste Liga aufgestiegen ist. Bereits zwei Jahre später hat man sich mit insgesamt 47 Siegen zum zweitbesten Team der WorldTour gemausert. Auf Erfolgen ausruhen kommt nicht in Frage, in den vergangenen zwei Jahren wurde das Team kontinuierlich weiterentwickelt, erneuert und auch verjüngt, um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei wurde auch ganz unkonventionell mal rechts und links geschaut, z. B. ein Mountainbiker und ein Skibergsteiger verpflichtet und auch auf viele junge Talente gesetzt.

Bei den Grand Tours, den großen dreiwöchigen Rundfahrten, starten 23 Teams mit jeweils 8 Fahrern. Es gibt Spezialisten für Sprintetappen, Allrounder und natürlich die Kletterer und Gesamtklassement-Fahrer, die um den begehrten Gesamtsieg kämpfen. Bei BORA – hansgrohe wird Felix Großschartner der Mann für die Gesamtwertung sein und versuchen, seinen starken neunten Platz vom Vorjahr zu bestätigen. Dazu kann Maximilian Schachmann auf Etappenjagd gehen und es kommt zum Grand Tour Debüt von Anton Palzer, Ben Zwiehoff und Jordi Meeus.

Cesare Benedetti

„Cece“, wie ihn seine Teamkollegen nennen, kommt aus Südtirol und spricht neben Italienisch auch noch Deutsch, Englisch, Französisch, ein bisschen Spanisch und obendrein Polnisch, hat ihn doch die Liebe nach Polen verschlagen. Somit kann er sich mit dem Großteil der Fahrer im Peloton in deren Muttersprache unterhalten. Cesare war einer der ersten Fahrer, die Ralph Denk für sein 2010er Team, das damals noch Team NetApp hieß und drittklassig war, rekrutiert hat. Cece ist einer der besten und loyalsten Domestiken im gesamten Fahrerfeld, für sein Team gibt er alles, selbst im Rampenlicht stehen ist eher nicht sein Ding. Man kann sich also vorstellen, wie die Radsportwelt Kopf stand, als dieser Teamplayer par excellence sich den Sieg bei der 12. Etappe des Giro d’Italia 2019 erkämpft hat. Es war der erste Profisieg seiner Karriere, und das bei einem der wichtigsten und renommiertesten Rennen der Welt. Niemand im gesamten Fahrerfeld hätte Cece diesen Sieg nicht von Herzen gegönnt.

 

Patrick Gamper

Mit 24 Jahren einer der jüngsten Fahrer im gesamten BORA - hansgrohe Team, aber zweifelsohne einer mit großem Kämpferherz und Motor. Auch seine beiden jüngeren Brüder sind gut auf dem Rad unterwegs, wie auch die ganze Familie Gamper sehr sportlich ist. Seine Mutter ist 15-fache Ski-Bob-Weltmeisterin, und auch Patrick und seine Brüder haben diesen Titel in der Jugend unzählige Male gewonnen. Der baumlange Tiroler, der vor allem die harten Klassiker liebt, hat auch im Zeitfahren seine Qualitäten. Bei den österreichischen Meisterschaften 2021 in seinem Heimatrevier wurde er hier Vierter und im Straßenrennen respektabler Dritter. Es sollte also nur eine Frage der Zeit sein, bis Patrick seinen ersten Profisieg holt.

 

Felix Großschartner

Der 27-Jährige ist seit 2018 im Team, er ist ein ausgewiesener Berg- und Gesamtklassement-Spezialist. In 2019 konnte Felix den ersten großen Sieg für sich verbuchen, als er eine Etappe und die Gesamtwertung der Presidential Cycling Tour of Turkey gewann. Es war nicht nur sein, sondern auch der erste Gesamtsieg bei einer großen internationalen Rundfahrt für BORA - hansgrohe. Ein beachtlicher 9. Platz bei der Vuelta a España in 2020 hat Felix auch international Respekt eingebracht. Und in der Vorbereitung zum Giro d’Italia hat er sich bei der Tour of the Alps bereits sehr angriffsfreudig gegeben, die Schlussetappe konnte er mit einem beeindruckenden Solosieg beenden. Felix ist offen für andere Sportarten, zur Entspannung spielt er Golf und im Winter ist er gern auf Skiern unterwegs. Die Daumen sind gedrückt, dass seine Versiertheit im Schnee für die Vuelta jedoch nicht gebraucht werden und das Rennen schneefrei bleibt.

 

Martin Laas

Der 27-jährige Este ist seit 2020 im Team. Er hat schnelle Beine für den Sprint, kommt aber auch ganz gut über die Berge. Die Vuelta ist seine zweite große Rundfahrt und er will sich natürlich gut präsentieren, hat er doch schon bei der Slowakei-Rundfahrt 2020 gezeigt, was er kann. Zwei Etappensiege und das Sprintertrikot hat er dort erkämpfen können. Der zweifache Familienvater und Pfannkuchen-Liebhaber, der schon mehrere Sprintsiege sowie die Gesamtwertung der Estland-Rundfahrt 2015 zu seinem Palmarès zählt, wird versuchen, bei Sprintankünften vorne mit dabei zu sein.

 

Jordi Meeus

Das 23-jährige Sprinttalent aus Belgien ist seit 2021 im Team und wusste direkt zu überzeugen. Einem starken vierten Platz bei Nokere Koerse ließ er einen Etappensieg und einen Tag in gelb bei der Ungarn-Rundfahrt folgen, eher er bei den exzellent besetzten Belgischen Meisterschaften als Vierter das Podium nur knapp verpasste. Bei BORA – hansgrohe schätzt der 190 cm große Flame besonders das familiäre Umfeld in Kombination mit den sportwissenschaftlichen Herangehensweisen. Nun gibt er gleich im ersten Profijahr sein Grand Tour Debüt in Spanien und wird mit Martin Laas sein Glück bei den Sprintankünften versuchen.

 

Anton Palzer

Von einem der erfolgreichsten Skibergsteiger zum Radprofi. Diese Story von „Doni“ und all das, was noch dahintersteckt, sind alles andere als Standard. In Kombination mit seiner fröhlichen und offenen Persönlichkeit sorgte dies vom Start seiner Radkarriere weg für große Beachtung. Denn der sympathische Bayer hat Spaß auf dem Rad und das steckt an. Aber dass er eben nicht nur aus Spaß im Peloton dabei ist, sondern gerade in den Bergen gut mithalten kann, hat er gleich in seinen ersten Etappenrennen bewiesen. Jetzt steht auch bei ihm das Grand Tour Debüt an und man darf gespannt sein, wie es ihm ergeht. Für gute Laune ist jedenfalls gesorgt!

 

Maximilian Schachmann

Seit 2019 ist Max im Team BORA - hansgrohe am Start. Eingewöhnungsschwierigkeiten hatte der 27-jährige Berliner nicht, denn gleich im ersten Jahr hat er 6 Siege eingefahren und sich dabei auch den Deutschen Meister-Titel geschnappt. Das zweite Jahr startete gleich noch besser: Ein Etappen- und der Gesamtsieg beim prestigeträchtigen „Rennen zur Sonne“ Paris - Nizza. Und das dritte Jahr? Titelverteidigung bei Paris – Nizza und erneut Deutscher Meister, dazu Spitzenresultate bei der Tour de Suisse und im anspruchsvollen Straßenrennen von Tokio. Das hat ihm viel Selbstvertrauen gegeben und die Radsportelite aufhorchen lassen. Bei der Vuelta ist er Edelhelfer und Joker zugleich, er hat ja bereits deutlich gezeigt, dass er keine Angst vor großen Namen hat. iVamos Max!

 

Ben Zwiehoff

Als einer von mehreren „Quereinsteigern“ in den Straßenradsport bei BORA – hansgrohe wurde Ben 2021 Profi. Der Jura-Student aus dem Ruhrgebiet hatte gemerkt, dass er auf der Straße vermutlich mehr erreichen kann als auf dem Mountainbike. Seine phänomenalen Leistungsdaten überzeugten die Teamleitung und Ben konnte diese auch bei seinen ersten anspruchsvollen Etappenrennen auf der Straße eindrucksvoll unterstreichen, denn er zeigte seine Stärken am Berg und verrichtete sehr wertvolle Helferdienste. Bei seinem langfristigen Ziel, einmal die Tour de France zu fahren, ist die Teilnahme an der Vuelta ein idealer weiterer Schritt.